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Förderprojekt: Die Gartenvasen auf den Terrassen des Casinos
Der Schmuck des Casinos ist von großer baukünstlerischer Bedeutung. Neben einer äußerst qualitätvollen Bauplastik aus Terrakotta zählte man ursprünglich 16 nicht minder bedeutende Metallobjekte: darunter acht verschiedene Typen von Gartenvasen und ein Kandelaber. Bis auf 7 Vasen, die im Depot verwahrt werden, gingen die meisten Stücke verloren. 
Eines der Ziele des Förderkreises war es den repräsentativen Treppenaufgang der Südseite wieder mit Vasen zu bestücken. Von den dort ursprünglich aufgestellten Objekten ist nur ein ein schwerbeschädigter Medici-Krater erhalten. Der Borghese-Krater, der Kandelaber, eine hohe schalenartige Vase sowie die beiden Palmblätter Vasen gelten als vollständig verloren.
Der Krater ist ein antikes Gefäß, das zum Mischen des Weines mit Wasser diente. Die beiden Exemplare auf der Roseninsel waren hingegen mit Agaven bepflanzt und unterstrichen damit den mediterranen Charakter der Gesamtanlage.


Borghese- und Medici-Kratere:
2003 gelang es dem Förderkreis u.a. mit finanzieller Unterstützung der Franziska-Günther-Stiftung, die große Südtreppe mit vier Nachgüssen der Borghese- und Medici-Kratere zu bestücken (Kosten pro Stück 3.500,- Euro). Durch die freundliche Unterstützung von Friedrich Adolph Freiherr von Dellingshausen, konnten von den erhaltenen identischen Krateren der Sammlung Werner (Hohenzollernmuseum) des Johanniterordens in Berlin Lichterfelde Formen abgenommen werden. 
Die breiten Kratere standen auf den oberen Podesten der Südtreppe. Es handelte sich um Zinkgüsse, 48 cm hoch und 36 cm im Durchmesser. 
Bei den beiden nachgegossenen Vasentypen, die sich nur im dekorativen Aufbau der Figurengruppe auf dem Vasenkörper unterscheiden, handelt es sich um verkleinerte Nachbildungen aus dem 19. Jahrhundert des antiken "Medici-Krater" (Darstellung der Orakelbefragung der homerischen Helden in Delphi vor dem Zug nach Troja, Original heute in den Uffizien/Florenz) und des "Borghese-Krater" (Darstellung einer bacchantischen Szene mit tanzenden Mänaden; Original heute im Louvre/Paris). 


Urnenvasen:
2005 folgten die ersten sechs Nachgüsse der erhaltenen sogenannten Urnenvasen und Schalen. 2008 wurden die letzten beiden fehlenden Urnenvasen ergänzt.

Palmettenvasen
2009 wurde erstmals ein neuer Weg bei der Rekonstruierung der Vasen eingeschlagen: zwei verlorene  Palmettenvasen sollten anhand von zweidimensionalen Vorlagen neu geschaffen werden. Zuerst wurden aus alten Aufnahmen auf Glasplattennegativen die Vasen heraus vergrößert und eine Zeichnung angefertigt. Anhand der Zeichnung wurde dann ein Holzmodell angefertigt, das als Grundlage für den Guss der Wachsmodelle diente, die wiederum für den Bronzeguss der Vasen erforderlich waren. Das Ergebnis sind gelungene
Nachschöpfungen der historischen Vorbilder, die die Terrasse des Casinos zieren.


Aktuelle Projekte:

Dank intensiver Recherchen im In- und Ausland gelang es unserem Beiratsvorsitzenden, PD Dr. Christoph Hölz/Universität Innsbruck, druckgrafische Vorlagen und originale Vergleichsobjekte ausfindig zu machen, die eine Nachbildung der Flammenschale des Kandelabers ermöglichten.

Flammenschale
Mit der Nachbildung der Flammenschale wurde der Münchner Bildhauer Vinzenz Bachmayer beauftragt, der bereits 2009 das Modell für die Palmettenvase anhand der fotografischen Vorlagen rekonstruiert hatte. Er wird nach der gleichen Vorgehensweise zunächst eine zweidimensionale Schablone in Originalgröße und ein Modell als Vorlage für die Gussform anfertigen. Der Guss der Vase wird in Absprache mit der Schlösser- und Seenverwaltung aus konservatorischen Gründen in Bronze erfolgen. 

Kandelaber
Kandelaber sind heute eher unübliche Gebrauchsgegenstände. Man darf darunter eine Art übergroßen Kerzenständer verstehen, wie sie heute in ähnlicher Form nur noch in Kirchen zu finden sind. Antike Kandelaber, wie sie etwa in großer Zahl während der Ausgrabung Pompejis gefunden wurden, trugen meist Öllampen, in denen auch Duftstoffe verbrannt wurden. Im 19. Jahrhundert hingegen, galten sie als beliebte und ausgefallene Ziergegenstände des gehobenen Haushalts. Sie entsprachen dem modischen „pompejanischen“ Geschmack, den vor allem Napoleon Bonaparte in Europa gesellschaftsfähig gemacht hatte. Auf der Roseninsel stand solch ein Kandelaber auf der Südterrasse des Casinos. Eine historische Fotografie um 1859 lässt den Kandelaber zwischen dem Blattwerk der Glyzinien nur schemenhaft erkennen. Das Original gilt als verloren. Durch Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern in Berlin und Warschau gelang es Dr. Hölz genaue Kenntnis von diesem geheimnisvollen Zierobjekt zu bekommen. Der Terrakottafabrikant Ernst March aus Charlottenburg bot diesen Kandelaber (ca. 120 cm hoch) Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Firmenkatalog als Serienprodukt an. In Schloss Wilanów bei Warschau konnten gar Bruchstücke eines solchen Kandelabers gefunden wurden. Im Auftrag des Förderkreises wird nun ein polnischer Restaurator den Kandelaber ergänzen und eine Gussform anfertigen, nach der dann ein Exemplar für die Roseninsel aus Bronze hergestellt wird.